Kaninchen und Meerschweinchen

Kaninchen und Meerschweinchen sind als liebenswerte, possierliche Tiere immer beliebter geworden. Ihre Haltung ist allerdings nicht so einfach und anspruchslos, wie es auf den ersten Blick scheint und früher angenommen wurde. Eine reine Käfighaltung oder eine Haltung als Einzeltier sind nicht tiergerecht.

Kaninchen können sehr alt werden – einige bis zu 17 Jahren; Meerschweinchen haben ebenfalls eine hohe Lebenserwartung von bis zu 9 Jahren. Damit Ihr Tier lange lebt und gesund bleibt, möchten wir Ihnen einige wichtige Tipps zu Haltung und Fütterung geben.

Die drei wichtigsten Punkte sind

  • Fütterung (Heu, kein getreidehaltiges Futter)
  • Gesellschaft eines zweiten Tiers der gleichen Art (Kaninchen mit Kaninchen bzw. Meerschweinchen mit Meerschweinchen)
  • Freilauf

Wenn Sie diese drei Punkte berücksichtigen, steht einer tiergerechten Haltung fast nichts mehr im Wege.

Fütterung

Kaninchen und Meerschweinchen sind von ihrer Biologie her reine Pflanzenfresser. Sie sollten daher mit Heu, Grünfutter und Gemüse ernährt werden und keinerlei Getreide- bzw. Melasseprodukte bekommen, die z.B. in allen im Zoohandel erhältlichen Trockenfutterprodukten enthalten sind.

1. Heu

Das wichtigste Futtermittel für Kaninchen ist Heu. Dies sollte jederzeit zur Verfügung stehen und von guter Qualität sein.

Gutes Heu erkennt man daran, dass es aromatisch duftet, die Halme dick und grün sind und dass es nicht staubt.

Fragen Sie doch einmal bei einem Bauern in der Umgebung, dort können Sie oft gleich einen ganzen Ballen sehr günstig kaufen.

Das Heu sollte kühl und trocken gelagert werden, nicht in einer Plastikverpackung, sondern möglichst z.B. in einem alten Kopfkissenbezug, damit sich keine Schimmelsporen bilden.

Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass die Kaninchen mit dem Heu nicht bloß „spielen“, sondern es wirklich fressen!

Manchmal gibt es Kaninchen, die nicht gern und nicht genug Heu fressen. Diese „Heumuffel“ kann man oft austricksen, indem man von einem höheren Grünfutteranteil (viel Gras und Kräuter) auf einen immer höheren Anteil an qualitativ hochwertigem Heu umstellt.

Sehr empfehlenswert ist das Heu, welches Sie unter www.rido-heu.de oder www.schwarzwaldheu.de beziehen können. Dies wird oftmals auch von „Heumuffeln“ gern genommen.

2. Grünfutter

Grünfutter sollte mindestens zweimal täglich angeboten werden. Mit Grünfutter sind frische Gräser und Kräuter gemeint. Sie können alles sammeln, was nicht giftig ist, z.B. Löwenzahn, Wegerich, Vogelmiere, Gänseblümchen /-blätter, Erdbeer-, Himbeer- und Brombeerblätter, Gras, Minze, Malve, Melisse, Kamille etc.

Petersilie sollte nur in Maßen gefüttert werden. Eine Liste mit Giftpflanzen finden Sie unter www.giftpflanzen.com

Sollte das Kaninchen an Grünfutter noch nicht gewöhnt sein, erhöhen Sie langsam den Grünfutteranteil. Wenn das Kaninchen an frisches Grünfutter gewöhnt ist, können Sie es damit fast nicht überfüttern – die Tiere nehmen davon nur soviel zu sich, wie sie auch verdauen können. Es ist gesund, vitaminreich und macht nicht dick; vor allem aber ist Grünfutter die natürliche Nahrungsquelle der Wildkaninchen.

3. Gemüse

Gemüse sollte ebenfalls zweimal täglich angeboten werden. Geeignete Gemüsesorten sind Möhren, Fenchel (sehr gut für die Verdauung!), Gurke (sehr wasserreich und daher gerade für Kaninchen mit Nierenprobleme gut geeignet), Sellerie, Paprika etc.

Kohlsorten sollten Sie vermeiden, da die Kaninchen tödliche Blähungen bekommen können.

4. Fütterungsfehler

Kaninchen sollten keine Getreideprodukte erhalten. Getreide ist in den meisten Trockenfuttermitteln enthalten; außerdem natürlich in Brot, Knäckebrot, Zwieback etc. Kaninchen sind keine Körnerfresser und Getreide ist für Kaninchen ein regelrechtes Mastfutter. Viele als Haustiere gehaltene Kaninchen sind viel zu dick und können dadurch ernsthaft krank werden (Zuckerkrankheit, Leberprobleme…). Oft wird trockenes Brot verfüttert, damit die Zähne abgerieben werden. Dies ist jedoch falsch, die Zähne zerreiben das Brot zu Mehl, ohne dass es zur Abnutzung kommt. Nur Heu ist wirklich zum Zahnabrieb geeignet.

Ebenfalls ungeeignet sind „Leckerli“, die in allen möglichen Varianten im Zoohandel erhältlich sind. Diese enthalten außer Getreideprodukten oftmals Honig oder Milchprodukte (z.B. Joghurt-Drops), die völlig ungeeignet für Kaninchen sind.

Fazit:

  • Gutes Heu muss immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen
  • Getreideprodukte (Trockenfutter, Brot) sowie Leckerlis sollten ganz weggelassen werden
  • Frisches Grünfutter und Gemüse müssen jeden Tag angeboten werden
  • Frisches Wasser muss immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen

Haltung

Kaninchen und Meerschweinchen sind Rudeltiere und dürfen nicht allein gehalten werden. Sie verkümmern sonst in ihrem Sozialverhalten und vereinsamen in Einzelhaltung völlig.

Ganz wichtig für das Wohlbefinden Ihres Kaninchens oder Meerschweinchens ist daher die Gesellschaft durch ein oder auch mehrere Tiere der gleichen Art – ein Kaninchen sollte immer mit anderen Kaninchen gehalten werden, ein Meerschweinchen wiederum sollte nur mit anderen Meerschweinchen zusammen gehalten werden. Tiere verschiedener Arten sollten nicht vergesellschaftet werden, da sie sich nicht verstehen und dies zu Stress für die Tiere führt.

Bedenken Sie am besten gleich bei der Anschaffung, dass ein zweites Tier der gleichen Tierart immer notwendig ist – selbst wenn Sie sich viel mit Ihrem Tier beschäftigen, können Sie ihm nie ein Ersatz für einen Artgenossen sein.

Die ideale Konstellation wäre eine Kaninchen- bzw. Meerschweinchenfamilie – also eine größere Gruppe – denn dies entspricht der Lebensweise der Tiere in freier Natur.

Am ehesten verstehen sich Kaninchenweibchen mit einem kastrierten Böckchen. Auch die Kombination zwei kastrierte Böckchen oder zwei Weibchen kann funktionieren; wobei es bei reinen Weibchengruppen oft Probleme gibt, da diese sehr „zickig“ sind.

Falls Sie Ihre Kaninchen nicht von vornherein zusammen übernehmen, falls Sie also zu Ihrem Einzelkaninchen ein zweites Kaninchen dazu holen möchten, gibt es einige wichtige Regeln zu beachten, damit die Vergesellschaftung funktioniert:

  • Sie sollten die Tiere auf „neutralem Boden“ das erste Mal zusammen lassen – d.h. in einem Raum, in dem beide Tiere noch nie waren und der folglich von keinem der Tiere als Revier beansprucht wird. Der Raum sollte so groß sein, das er genügend Platz zum Ausweichen bietet, denn oftmals geht es rabiat zu!
  • Wenn Sie die Tiere einmal zusammen gelassen haben, sollten Sie sie nicht mehr trennen, auch nicht nachts. Die Kaninchen müssen die Rangordnung dann unter sich ausmachen. Solange dabei nur Fell fliegt, ist es o.k. – sollten die Tiere sich schwere Verletzungen zufügen, müssen Sie sie notgedrungen trennen.
  • Weitere Tipps zur Vergesellschaftung finden Sie auf www.kaninchenhilfe.at

Freilauf

In Zoohandlungen wird eine Vielzahl von Käfigen angeboten. Leider sind diese viel zu klein für die Tiere.
Platzmangel bedeutet Stress, macht krank und führt zu Aggressionen
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Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr neugierig, erkunden gern ihre Umgebung und haben einen großen Bewegungsdrang – wer schon einmal beobachtet hat, wie insbesondere Kaninchen aus lauter Lebensfreude über die Wiese rasen und Haken schlagen, weiß das.

Ein Freigehege, das ja meist nur wenige Quadratmeter groß ist, ersetzt also keinen Freilauf. Die Tiere müssen jeden Tag Gelegenheit haben, sich auszutoben – entweder frei in der Wohnung, oder, noch besser, im Garten. Im Garten graben Kaninchen Löcher und graben auch Pflanzen aus – dies gehört zu ihren natürlichen Verhaltensweisen. Daher sollte man auch Tieren, die nur in der Wohnung leben, eine Buddelkiste mit Erde bereitstellen, damit sie dieses Bedürfnis ausleben können.

Die Außenhaltung von Kaninchen und Meerschweinchen, auch ganzjährig, ist möglich – Voraussetzung ist jedoch ein von allen Seiten gut isolierter Stall, der tief mit Stroh und Heu eingestreut ist. Insbesondere im Winter sollte auf jedes Krankheitsanzeichen geachtet werden, da kranke Tiere natürlich im Winter nicht draußen bleiben können. Auch muss regelmäßig geschaut werden, ob die Tränke nicht eingefroren ist.

Tierarztbesuch

Kaninchen und Meerschweinchen zeigen Krankheitsanzeichen meist erst in einem sehr späten Stadium. Sie sollten daher, sobald Ihnen etwas Unnormales auffällt, nicht zögern, Ihr Tier sofort beim Tierarzt vorzustellen.

Oft ist das einzige Krankheitsanzeichen die Gewichtsabnahme. Sie sollten daher ihr Tier wöchentlich in einer Küchenwaage mit möglichst grammgenauer Anzeige wiegen und das Gewicht protokollieren.

Hier noch ein paar Tipps für den Tierarztbesuch:

  • am besten mit dem Partnertier zusammen transportieren
  • die Transportbox mit hellen Tüchern auslegen (keine Einstreu)
  • bei Temperaturen unter 15°C sowie bei kranken Tieren oder nach Narkosen immer eine handwarme Wärmflasche unter die Tücher in die Transportbox legen
  • kein Fasten vor Narkosen (diesbezüglich klären wir Sie vor dem Eingriff ausführlich auf)
  • immer etwas gewohntes Futter in die Transportbox legen

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